Moderator Chris Rock war auf der Bühne witzig und zugleich bitterböse A.M.P.A.S. (alle Bilder)©0

Eddie Redmayne überreicht Newcomerin Brie Larson den Oscar für die beste Hauptdarstellerin

Drei Preisträger: Emmanuel Lubezki (Kamera), Leonardo DiCaprio und Alejandro G. Iñárritu (Regie)

Nach fünf vergeblichen Anläufen durfte Leonardo DiCaprio endlich jubeln: 2016 wählte ihn die Jury zum besten Hauptdarsteller

Kritischer Glamour in Los Angeles: Die 88. Oscar-Preisverleihung war politisch wie selten zuvor – Endlich eine Goldtrophäe für Leonardo DiCaprio


28. FEBRUAR, ab 23.05 UHR – ProSieben

Die 88. Oscar-Preisverleihung in Los Angeles wurde zum großen Abend von Leonardo DiCaprio. Nach fünf vergeblichen Versuchen gewann er endlich den Oscar als bester Hauptdarsteller. Die Arbeit für „The Revenant“ zahlte sich auch für Alejandro González Iñárritu, der zum zweiten Mal in Folge den Preis für die beste Regie erhielt. Zur besten Hauptdarstellerin wurde Newcomerin Brie Larson für ihre Rolle in „Raum“ gewählt. Als bester Film konnte sich „Spotlight“ durchsetzen, gleich sechs Oscar-Statuen räumte der Action-Film „Mad Max: Fury Road“ ab. ProSieben widmete dem Goldjungen 2016 satte zehn Stunden Sendezeit, Annemarie Carpendale meldete sich live vom roten Teppich. Die Kimmig Entertainment GmbH hat die Oscar-Sondersendungen im Auftrag von ProSieben produziert.

Lag es an der Kritik zum Fehlen schwarzer Künstler unter den Nominierten, den turbulenten Präsidentschaftsvorwahlen in den USA oder an der insgesamt unruhigen politischen Weltlage? Schon lange nicht mehr war eine Oscar-Preisverleihung so politisch wie in diesem Jahr. Kaum ein Auftritt kam ohne einen gesellschaftskritischen Appell aus – allen voran Moderator Chris Rock, der das Thema „Weiße Oscars“ witzig und zugleich bitterböse auf die Bühne brachte. Umweltaktivist Leonardo DiCaprio erinnerte daran, dass wir mit den Ressourcen unseres Planeten verantwortungsvoll umgehen sollten. Lady Gaga wurde bei der Performance ihres nominierten Songs „Til It Happens To You“ von einem Chor aus Opfern sexuellen Missbrauchs begleitet. Sie gewann damit zwar keinen Oscar, dafür aber Sam Smith mit seinem James-Bond-Song. Als erster (offen) homosexueller Sänger, der einen Oscar gewann, widmete der Brite den Preis in seiner Dankesrede prompt der schwul-lesbischen Gemeinde.

Vielleicht ließen sich die kritischen Stimmen aber auch von den Entscheidungen der Jury leiten, die dieses Mal eher ernsten Themen den Vorzug gab. Der beste Film des Jahres, „Spotlight“, handelt davon, wie ein Team von Journalisten des „Boston Globe“ den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche der USA aufdeckte. Brie Larson erhielt den Oscar für einen Filmauftritt, in dem sie eine junge Frau spielt, die seit ihrem 17. Lebensjahr von einem Triebtäter in einem hermetisch abgeriegelten Gartenschuppen gefangen gehalten wird. Und auch „The Revenant“, der drei der wichtigsten Preise erhielt, fällt nicht gerade in die Kategorie „leichter Unterhaltungsfilm“. Die Jury lag damit aber absolut richtig. Und im Gegenzug war es außerdem ein Action-Film, der die meisten Trophäen einsammeln durfte: Für „Mad Max: Fury Road“ gab es insgesamt sechs Oscars in den Kategorien Schnitt, Kostümdesign, Szenenbild, Ton, Tonschnitt und Make-up/Frisuren.

Leonardo DiCaprio war in diesem Jahr übrigens nicht der einzige, der nach fünf Fehlversuchen einen Oscar ergattern konnte. Der 87-jährige Ennio Morricone hatte zwar 2007 den Ehrenoscar für sein Lebenswerk erhalten, doch erst jetzt gewann der italienische Maestro die begehrte Statue für die beste Filmmusik – für den Soundtrack zu Quentin Tarantinos „The Hateful 8“. Die beste Kamera ging an Emmanuel Lubezki („The Revenant“), als beste Nebendarsteller wurden Nachwuchsschauspielerin Alicia Vikander („The Danish Girl“) und der renommierte britisch-amerikanische Bühnenakteur Mark Rylance („Bridge of Spies“) ausgezeichnet. Für Vertreter aus Deutschland war in diesem Jahr nichts zu holen: Bernhard Henrich, Setdekorateur des in Deutschland gedrehten Spionagedramas „Bridge of Spies“, ging ebenso leer aus wie der Niedersachse Patrick Vollrath, der sich mit seinem Kurzfilm „Alles wird gut“ Hoffnungen gemacht hatte.